Architektur
Mit dem Kunstraum Heilig Geist wurde im Essener Stadtteil Katernberg ein denkmalgeschützter Kirchenbau der Nachkriegsmoderne in einen öffentlich zugänglichen Ort für zeitgenössische Kunst transformiert.
Ziel der Maßnahmen war es, die räumlichen Qualitäten zu bewahren und zugleich eine funktionale Grundlage für Ausstellungen zu schaffen. Die reversible Weißschlämmung der Innenwände verbessert die Bespielbarkeit und bleibt denkmalverträglich. Durch den Rückbau späterer Eingriffe – darunter Farbverglasung und Orgelempore – wurde das ursprüngliche Lichtkonzept reaktiviert. Der Hauptraum gewann an Klarheit, indem Kirchenbänke entfernt und der historische Klinkerboden erhalten sowie sorgfältig ergänzt wurde.
Neue Einbauten wurden bewusst zurückhaltend gehalten. Flexible Sitzgelegenheiten und eine variable Bestuhlung ermöglichen Vortrags- und Ausstellungsformate. Zusätzliche Strahler akzentuieren die Seitenschiffe. In der ehemaligen Sakristei entstand ein kompakter Funktionsbereich mit Sanitäranlagen und Büro, der den Betrieb unterstützt, ohne die räumliche Wirkung des Kirchenschiffs zu beeinträchtigen. Die Transformation folgt konsequent dem Prinzip minimaler, respektvoller Eingriffe.

© Felix Hemmers
Anders als in den ersten Modellen vorgesehen, hat die Heilig-Geist-Kirche heute nur einen kleinen Glockenturm, der sich über der Sakristei erhebt © Reimond Spekking, CC BY-SA 4.0

Der Hahn auf dem Kirchturm © Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0
Mit seiner offenen Zugänglichkeit ergänzt der Kunstraum die kulturelle Infrastruktur im Umfeld des Welterbes Zollverein und setzt einen wichtigen Impuls im Quartier. Eine aus dem Marmor des ehemaligen Altars gefertigte Skulptur von Kris Martin sowie weitere dauerhaft platzierte Werke internationaler Künstler schaffen bereits im Außenraum eine sichtbare Verbindung zwischen Geschichte und neuer Nutzung.
Der behutsame Umbau des von Dominikus und Gottfried Böhm entworfenen Gebäudes versteht sich als Weiterentwicklung des Bestands und zeigt, wie kirchlicher Leerstand durch qualitätsvolle Anpassung neue kulturelle Perspektiven eröffnen kann. Er verdeutlicht zugleich, wie eine sensible und ressourcenschonende Umnutzung denkmalgeschützter Sakralräume gelingen und als nachhaltiger Impuls für die Entwicklung des Stadtteils wirken kann.
Planung und Umsetzung durch Architektin Claudia Dahm.

Das Hauptportal der Kirche © Elke Wetzig, CC BY-SA 4.0

Mittelschiff vorher © Felix Hemmers

Mittelschiff nachher © Felix Hemmers

Seitenschiff vorher © Felix Hemmers

Seitenschiff nachher © Felix Hemmers

Altar vorher © Felix Hemmers

Altar nachher © Felix Hemmers

Unterkirche vorher © Felix Hemmers

Unterkirche nachher © Felix Hemmers

Unterkirche vorher © Felix Hemmers

Unterkirche nachher © Felix Hemmers

© Hans Georg Esch
Der Grundriss zeigt ein langrechteckiges Mittelschiff, das von einem leicht nach Osten versetzten Quadrat durchdrungen wird. Außen fassen zwei flach gedeckte Ziegel-Seitenschiffe das Langhaus; im Norden ergänzt ein quadratischer Backsteinanbau mit Sakristei und kleinem Glockenturm den Bau. Zwischen Mittel- und Seitenschiffen tragen dreieckige Betonpylone über Verbindungsbalken die zeltförmige, durch Stahlseile gestützte Dachkonstruktion. Ein horizontaler Betonträger verläuft auf Dachhöhe der Seitenschiffe, die Stirnseiten sind mit Naturstein verkleidet, und die Seitenwände des Langhauses sind nahezu vollständig verglast.

© Hans Georg Esch

© Hans Georg Esch
